cross / over – Reflexion gesellschaftlicher Konstruktionen von Geschlecht und daraus resultierende Prozesse von Inklusion und Exklusion

Workshop mit Gunda Busley im Rahmen der 18. Wissenschaftlichen Jashrestagung der DGSF in Oldenburg

Menschen konstruieren ihre Welten durch Unterscheidungen: Eine Leitunterscheidung unserer westeuropäischen Gesellschaft ist das Geschlecht mit seinen vier Dimensionen von biologischem Geschlecht, Geschlechtsrolle, Geschlechtsidentität und sexueller Orientierung.

Menschen erfahren ihr Geschlecht im Kontext der bürgerlichen Familie als Verhaltenswerwartungen, die von Beginn des Lebens an bedeutungsvoll sind. Das lange geltende binäre Modell kommt jedoch der gesellschaftlichen Wirklichkeit heute nicht mehr bei. In Pädagogik, Beratung, Therapie, Supervision und Coaching  entwickeln die Beteiligten neue Selbstbeschreibungen, die das binäre Modell von männlich/weiblich oder heterosexuell/nicht-heterosexuell überschreiten. Der Workshop bietet Raum für die biographische und professionelle Reflexion und Weiterentwicklung dieser Überschreitungen.

Inhalte / Ablauf

  • selbsterfahrungsorientierte Methode aus dem Gender-Training zur Wahrnehmung der eigenen Positionierung in der Gesellschaft anhand des Merkmals Geschlecht,
  • Transfer in die darauf folgende beraterische, therapeutische und Supervisions-/Coaching-Praxis, mit dem Blick auf die Bedingungen der Möglichkeit des Überschreitens (cross) der Grenze zwischen der Innen- und Außenseite der Unterscheidung (hier: männlich/weiblich oder heterosexuell/nicht-heterosexuell) und der Möglichkeit der Konstruktion anderer Selbstbeschreibungen (over),
  • Erstellen einer persönlichen Agenda bis zur Jahrestagung 2019

Thesen

  • Die im Kontext der bürgerlichen Gesellschaft bedeutungsvollen Leitunterscheidungen von männlich/weiblich und heterosexuell/nicht-heterosexuell werden erweitert zu neuen, anderen, vielfältigen Selbstbeschreibungen.
  • Biographisch erlebte Prozesse von Inklusion und Exklusion im Bezug auf die Dimension Geschlecht befördern Prozesse der Selbstorganisation, die als Werte und Haltungen Eingang finden in professionelle Beziehungen und wiederum Prozesse von Inklusion und Exklusion auch im Hinblick auf andere Dimensionen (z. B. Herkunft, Status, Religion) steuern (intersektionaler Ansatz).
  • Die mit einem intersektionalen Ansatz verbundenen Entwicklungsprozesse werden zu kontroversen Diskussionen führen, weil nicht nur die Privilegien der Mehrheitsgesellschaft, sondern eigene Privilegien in Frage gestellt werden.