17th Dez2009

Ai Weiwei

by admin

München, Haus der Kunst: Unterschiede, die einen Unterschied machen… (17.12.2009)

Was ist der Unterschied zwischen
- Stolz und Herablassung?
- Geborgensein und Erdrücktwerden?
- etwas zur Deckung bringen und etwas verschwinden lassen?
- herausragen und durchstoßen?
- Schönheit und Verschwendung?
- Regelmäßigkeit und Erstarrung?
- dem Anschauen von Kunst und dem Machen von Kunst?
- einem Künstler, der Kunst anschaut und einem Künstler, der Kunst macht?
- einem Kunstwerk, das aus einem Haufen porzellanener Sonnenblumenkernen besteht und einem, aus einem Haufen Chips?
- einem Wunsch und seiner Erfüllung?
- dem mimetischen Sich-Angleichen und dem Verschwinden?

Alles hängt mit allem zusammen, auch ich. Und wenn Ai Weiwei nicht aus China, sondern aus dem Umriß von Deutschland ein hölzernes Bett gemacht hätte, wie wäre dann mein Schlaf?

In der christlich-jüdischen Tradition wird der Tisch zu einem Altar – und was kann ein Tisch dann alles bedeuten, wenn ihn Säulen eines demontierten Tempels mit Macht durchstoßen?

Was für ein wundersames Spiel mit dem Material: Prozellan mit einem unglaublich hohen Aufforderungscharakter. Was könnte also eine übergroße Schale mit Süßwasserperlen und ihren porzellanenen Imitaten mit dem nährenden Charakter von Kunst zu tun haben (“Kunst ist Lebensmittel!” und die “Eat Art” der 1970er Jahre)? Und die grauen, ebenfalls aus Prozellan gemachten Sonnenblumenkerne, die, je länger der Betrachter sie anschau, Ausscheidungsprodukte assoziieren lassen?

“Dust to dust” – zermahlene neolithische Tonwaren werden aus einem möglichen religiösen Kontext zu einer neuen Art Heilerde in einem modernen, medizinischen Kontext.

“Soft ground” – der Wollteppich, hergestellt in einer staatlichen Weberei Pekings, auf den Bodenplatten des Hauses der Kunst in München ist zugleich Mimesis und Herausragendes; er verdoppelt den Boden nicht bloß, das weiche, haptische Material verschärft die eigene Wahrnehmung.

Ein Fremder macht ein Portrait von mir – wer inszeniert dann wen?

Ai Weiwei “so sorry ” – bis zum 17.01.2010 im Münchener Haus der Kunst

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