26th Aug2009

Dieses Land trägt eine Wunde

by admin

(Rede anlässlich der Eröffnung der Ausstellung “Homosexuellen-Verfolgung in Hamburg 1919-1969 ergänzt mit Beispielen aus dem Ruhrgebiet” am 25. August 2009 in Bochum)

Dieses Land trägt eine Wunde. Noch immer. Auch heute noch, am 25. August 2009  - 138 Jahre nachdem 1871 von allen deutschen Staaten der §175 übernommen wurde, der, so hieß es damals, die „widernatürliche Unzucht, welche von Personen männlichen Geschlechts (…) begangen wird“, bestrafte, 74 Jahre, nachdem 1935 die Nationalsozialisten eben jenen Paragrafen verschärft hatten und jedwede sexuelle Handlung zwischen Männern unter Strafe stellten und Lesben und Schwule verfolgt, verhaftet und ermordet wurden, 63 Jahre, nachdem 1946 der Alliierte Kontrollrat eine Neufassung des Strafgesetzbuches vorsah und damit eine Rücknahme der nationalsozialistischen Verschärfungen des §175, die jedoch nicht in Kraft gesetzt wurde, 52 Jahre, nachdem das Bundesverfassungsgericht 1957 zwei Beschwerden von nach §175 verurteilten Männern ablehnte, 40 Jahre, nachdem 1969 der Bundestag das erste Gesetz zur Reform des Strafrechtes verabschiedete – damit wurde das einzige während der NS-Zeit verschärfte Gesetz, das noch 24 Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs gültig war, reformiert, und 15 Jahre, nachdem 1994 erst im Zuge der Wiedervereinigung der §175 gänzlich gestrichen wurde.

Heute erinnern wir uns. Uns selbst und einander. Wir blicken zurück: 138 Jahre, das sind zwei Menschenleben lang – 74 Jahre, das sind „nur“ drei Generationen. Und erst wer heute als schwuler Jugendlicher erwachsen wird, wird dies ohne den Vorbehalt des §175. Wollen wir die Geschichte der deutschen Gesellschaft so lesen: als eine Geschichte der Verfolgung von Schwulen und Lesben? Oder: Können wir die Geschichte so lesen: als das Ringen um mehr Demokratie, deren Wert sich immer daran misst, wie eine Gesellschaft zu ihren Minderheiten steht?

Wie erinnern wir uns? Wie sprechen wir darüber, dass Menschen, sich dafür entschieden haben und sich noch immer dafür entscheiden, uns Gewalt anzutun, weil wir als Männer Männer und als Frauen Frauen lieben, weil wir mit einer Behinderung diese Welt erfahren, weil wir hierher, wo wir leben, als Fremde gekommen sind, weil wir politisch anders denken, weil wir einen anderen Glauben haben…?

Ich erinnere mich auch an ein Verbot, darüber zu sprechen. Als ich noch ein Kind war und in Berlin lebte, führte uns der Weg über den Wittenbergplatz. Dort steht ein großes Schild, orangefarbene Buchstaben auf schwarzem Grund – viel, viel später erst erfuhr ich, dass dies die Namen der Orte sind, an denen Menschen während der zwölf Jahre nationalsozialistischer Gewaltherrschaft totgeschlagen, ermordet und umgebracht wurden.

„Was man so braucht…
Man braucht nur eine Insel
allein im weiten Meer.
Man braucht nur einen Menschen,
den aber braucht man sehr.“

Das dichtete Mascha Kaléko, die 1938 als Jüdin vertrieben wurde aus Berlin. „Man braucht nur einen Menschen…“ – einen Menschen, der erinnert, der erzählt, der beim Namen nennt: gegen das Vergessen.

„Homosexuellen-Verfolgung in Hamburg von 1919 bis 1969“: Die Recherche dreier Männer, Bernhard Rosenkranz, Ulf Bollmann und Gottfried Lorenz und vieler Helferinnen und Unterstützer haben zu mehreren Publikationen, zur Verlegung von 175 Stolpersteinen allein für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus in Hamburg und zu dieser Ausstellung geführt, die heute Abend, hier, in Bochum eröffnet wird. Stolpersteine, erzählen Geschichten, vom Leben, von Verfolgung und vom Tod. Sie liegen dort unten, auf der Straße. Und sie fordern von uns nur eine kleine Geste: herab, nach unten, dort, wo das Leben zugrunde liegt.

In Bochum ist diese Ausstellung der Beginn für etwas, was noch kommen kann: Drei Tafeln erzählen die Geschichte schwuler Männer aus Bochum. In den vergangenen Jahren wurden zwei Stolpersteine für homosexuelle Opfer des Nationalsozialismus in Bochum verlegt. Hubert Schneider, Susanne Schmidt und Jürgen Wenke haben mit „Leben im Abseits“ die Lebensgeschichten von Agnes und Wilhelm Hünnebeck recherchiert. Sie erzählen in ihrem Buch und in einer Tafel in dieser Ausstellung davon, wie ein gesellschaftlich etablierter Rechtsanwalt als Halbjude und schwuler Mann verfolgt wird. Wilhelm Hünnebeck hat den Terror des Nationalsozialismus physisch zwar überlebt – die seelischen Wunden sind nie verheilt, bis zu seinem Tod in Hamburg, 1976, nicht.

1941 wurde Wilhelm Hünnebeck die Doktorwürde aberkannt: Wie also haben die Offiziere der 4. Kompagnie des Bochumer Bürger-Schützen-Vereins darüber gesprochen, zu denen Hünnebeck Ende der Zwanzigerjahre noch gehörte? Wie haben diejenigen, die mit ihm studiert haben, darüber gesprochen?  Wie die Anwaltskollegen in Bochum? Wie die Nachbarn? Die Menschen, die Wilhelm Hünnebeck persönlich kannten? Wir wissen es nicht: „Man braucht nur eine Insel, allein im weiten Meer…“ – „nur“!

Und heute? Betrand Delanoë und Klaus Wowereit sprechen als Bürgermeister europäischer Hauptstädte davon, dass sie schwul sind. 2001 wurde das „Gesetz über die Eingetragene Lebenspartnerschaft“ ausgefertigt, 2006 das „Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz“. Wir sehen Maren Kroymann, Ulrike Folkerts und Anne Will selbstverständlich in unseren Fernsehprogrammen. In Bochum sind Lesben und Schwule willkommen – ein deutliches Zeichen war in diesem Sommer die Beflaggung des Rathauses mit dem Regenbogen-Banner.

Sind wir toleranter geworden? Ist es selbstverständlicher geworden, heute selbstbewusst lesbisch oder schwul zu werden?

Unsere Erfahrung als Menschen, die Menschen begleiten auf dem nicht immer einfachen Weg des Coming-out, der auch immer ein Weg des Abbaus von Vorurteilen bei Freundinnen und Freunden, Eltern, Lehrerinnen und Lehrern ist, zeigt uns etwas anderes: Offenbar ist es noch immer schwer, selbstverständlich Toleranz zu leben mit Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender. Offenbar ist es noch immer schwer, ganz selbstverständlich die Akzeptanz von Homosexuellen als Bereicherung für unsere Gesellschaft zu erleben. Offenbar ist es noch immer so leicht, das alte Vorurteil der längst widerlegten These von der „Verführung Minderjähriger“ zu gebrauchen.

Denn: Wie sonst könnten wir uns die Ablehnung erklären, die wir auf unser bundesweit einmaliges Projekt „Jugendinfomobil“ oder auf das Projekt „Schule der Vielfalt – Schule ohne Homophobie“ erhalten haben?

Wenn wir uns selbst und einander erinnern, können wir auch davon sprechen, in welcher Gesellschaft wir leben wollen. Mit Pier Paolo Pasolini, dem schwulen Dichter, Regisseur, Essayisten, der sich Zeit seines Lebens gegen Faschismus eingesetzt hat, möchte ich sagen: „Ich bitte euch um maximale Bereitschaft zur Demokratie“!

Bis zum 6. November begleitet eine Kulturreihe in Kooperation mit der Stadt Bochum, der VHS, dem endstation.kino und dem Kommunalen Kino diese Ausstellung: mit einer zweiten Ausstellung in den Räumen der Rosa Strippe zur Verfolgung von Lesben im Nationalsozialismus, mit Mitmachaktionen, wie das Putzen der Stolpersteine am kommenden Freitag, mit Vorträgen, mit Filmen, mit den Porträts von Verfolgten, mit Stadtrundgängen. Zu all diesen Veranstaltungen sind Sie herzlich eingeladen. Das Programm können Sie heute von hier mitnehmen. Und heute kann auch Ihre Unterstützung beginnen, die wir brauchen, um die Lebensgeschichten von Bochumern zu erzählen, die im Nationalsozialismus Opfer von Verfolgung geworden sind.

Und unser Dank gilt allen, die in den letzten Wochen, Monaten und Jahren diese Ausstellung möglich gemacht haben: mit ihrem Engagement und ihrem persönlichen Einsatz gegen das Vergessen.
Uns allen wünsche ich den Mut, uns zu erinnern –denn: Uns kommt nur das Erzählen bei!

Vielen Dank!

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07th Aug2009

Im Zweifel für das Kind

by admin

…so überschrieb die SZ in der Ausgabe Nr. 175 vom 1./2. August 2009 ihr „Forum“ zum Thema Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare. Und weiter: „Als Bezugspersonen sind Mutter und Vater wichtig, deshalb sollen homosexuelle Paare kein Recht auf Adoption erhalten“.

Abgesehen davon, dass zum Alltag der Bundesrepublik Deutschland auch lesbische und schwule Paare mit Kindern gehören – ebenso übrigens wie Kinder, die ohne Vater oder ohne Mutter erwachsen werden, deutet der an erster Stelle angeführte Leserbrief von Dr. Christian Spaemann aus Braunau/Inn an, welche Diskussion denn noch geführt wird: die zwischen Psychotherapie als moderner Wissenschaft und Religion in einer –um einen Ausspruch Jürgen Habermas‘ aufzunehmen- „post-säkularen Gesellschaft“. Auf Habermas zurück übrigens geht auch das Diktum, nachdem Betroffenheit Kompetenz bedeute. Es sei also eine Antwort erlaubt, die ich als homosexueller Mann und Pädagoge/systemischer Familienberater formuliere.

Worum aber geht es im einzelnen? Spaemann, Sohn des 1936 zum katholischen Glauben konvertierten Philosophen Robert Spaemann, argumentiert als Psychiater und Psychotherapeut, ist er doch Leiter der „Klinik für psychische Gesundheit“ in Braunau am Inn. Er argumentiert weiter mit der „fundamentale(n) Bedeutung der Beziehung zu Vater und Mutter in der so genannten Triangulierung für die Identitätsbildung des Menschen“. Sein auf „Forschung im Bereich der Entwicklungspsychologie“ gestütztes Fazit lautet denn auch, dass das Kindeswohl hintangestellt würde, wenn es um Rechte einer Minderheit ginge.

Spaemann, allerdings, spricht nicht über den kulturellen Rahmen, den er andernorts für seine Stellungnahmen wählt, so ist er z. B. Beirat des „Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft“, getragen von der „Offensive Junger Christen“, einer evangelikalen Kommunität.
Auch wenn er das Thema Identitätsentwicklung und sexuelle Orientierung in den Blick nimmt, wird deutlich, auf welcher Grundlage Spaemann sich dem nähert: Behauptet wird abermals die Instabilität homosexueller Beziehungen, die Korrelation von psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Angstzuständen mit homosexueller Geschlechtsidentität. Zudem verengt Spaemann Sexualität allein auf den Zeugungsaspekt. (Vgl. http://ojc.de/spaemann-christival.html Stand: 04.08.2009) Sein Kriterium für eine Therapie der „Auseinandersetzung der Betroffenen mit ihrer geschlechtlichen Identität“ (ebd.) begründet er im „subjektiven Leid von Menschen“ und stellt sie unter den Anspruch „ethisch einwandfreier Therapieangebote“ (ebd.).

Wir erinnern uns: therapeina ist im Alt-Griechischen die Dienstmagd; etymologisch leitet sich der Begriff „Therapie“ davon ab, auch deshalb, weil die Wurzel des Wortes jenen Schemel bezeichnet, auf dem die Magd ihren Platz findet. Die Sprache deutet in der Therapie ein Herrschaftsverhältnis um und macht die Ratsuchenden zu den Expertinnen und Experten der je eigenen existenziellen Angelegenheiten: unten, nämlich, sitzen die Therapeut/innen.

Wissenschaftlich wurde Homosexualität zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich bewertet. Der Begriff der „Homosexualität“ jedoch ist eine Zusammensetzung aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Homosexualität wurde also genau dann gesellschaftlich bedeutsam, als sich das Ideal der bürgerlichen Ehe und Familie entwickelte – mit den spezifischen Vorstellungen über die Geschlechtsrollen von Männern und Frauen, mit den spezifischen Vorstellungen über Beziehung, Liebe und Sexualität, mit den spezifischen Vorstellungen der Trennung des häuslichen Bereichs vom dem der außerhalb des Hauses liegenden Sphäre der Erwerbsarbeit. Erst in der Folge dieses vorherrschenden Modells konnte Sigmund Freud sein Modell der Psychoanalyse entwickeln. Wenn also Psychiatrie und Psychotherapie sich dem Gegenstand Homosexualität oder konkreten Lesben und Schwulen zuwenden, dann müssen auch sie Auskunft geben über ihr Erkenntnis leitendes Interesse. Denn bereits 1992 hat die Weltgesundheitsorganisation nach dem neuesten Stand der Forschung entschieden, dass Homosexualität keine psychische Störung sein kann. Die Bundesärztekammer folgte dem vor elf Jahren, 1998.

In seiner Argumentation als Psychiater folgt Spaemann einem US-amerikanischen Kollegen, Joseph Nicolosi, der Präsident der „National Association for Research an Therapy of Homosexuality“ ist, einer Vereinigung also, die als Ziel die Therapie von Homosexualität im Namen führt.
Kurzgefasst gehört Nicolosi einer Schule an, die Homosexualität unter dem Blickwinkel einer „ichdystonen Störung“ therapiert. Er unterstellt einer psychosexuellen Entwicklung zur Homosexualität bei Männern, von lesbischen Frauen ist nicht die Rede, einen, wie er es nennt, „reparativen Antrieb“. Ohne sich also mit der differenzierteren Sichtweise der Psychoanalytiker Freud und vor allem Morgenthaler auseinanderzusetzen, führt er gestützt auf den aktuellen International Codex of Disease (ICD-10) Homosexualität als psychische Erkrankung wieder ein – entgegen der in Deutschland gültigen Leitlinien für Kinder- und Jugendpsychiatrie: „Bei der ich-dystonen Sexualorientierung ist die sexuelle Ausrichtung klar, aber die Betroffenen wünschen, es wäre anders“. (Vgl. http://uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/028-014.htm Stand: 07.08.2009) Dazu heißt es weiter, daß der häufig auftretende Leidensdruck durch eine Befürchtung vor Ablehnung durch die Familie/Gesellschaft entstehe und die homosexuelle Orientierung selbst nicht als Störung anzusehen sei- nicht Leidensdruck aufgrund der Homosexualität, sondern aufgrund einer internalisierten Homophobie. In der Therapie „(…)ist die Beratung der Eltern und/oder Bezugspersonen bei einer vom Jugendlichen konflikthaft erlebten homosexuellen Orientierung (vorrangig)“.

Diese systemische Sichtweise, die nicht den Homosexuellen allein als therapiebedürftig beschreibt, ermöglicht zugleich einen Zugang, der die beiderseitigen konstitutiven Elemente von Hetero- und Homosexualität in den Blick nimmt. Auch wenn Nicolosi die Familiendynamik anführt, (Homosexualität als Verleugnung männlicher Bestrebungen aufgrund von Scham, die wiederum Folge einer Ablehnung durch die Eltern sei), kann er nicht klären, ob er deskriptiv oder eben doch normativ argumentiert, wenn er ausgeht von einer „biologisch verankerte(n) Notwendigkeit, ein authentischer, unabhängiger Junge“ zu werden.  (Vgl. http://www.ojc.de/pdf/bulletin_12_06_nicolosi.pdf, S.22, Stand: 04.08.2009) Nur unter einem normativen Anspruch, der verschleiert wird, sind Aussagen zu verstehen wie: „Oder jemand sucht Sex an einem halböffentlichen Ort wie beispielsweise in einer öffentlichen Toilette oder einem Park, wo er es riskiert, von anderen gesehen zu werden.“ (ebd., S. 18) Eine systemische Sichtweise, die deutlich machen kann, dass Homosexualität die Kehrseite des heterosexuellen Verständnisses von Geschlechtsrollen im Rahmen des vor 250 Jahren begründeten Modells der bürgerlichen Familie darstellt, kann nun die vielfältigen Bedeutungen von Sexualität und ihrer Praxis in den Blick nehmen, egal, ob es sich um eine homo- oder heterosexuelle Objektwahl handelt. Die Aufgabe, in der Adoleszenz die neuen, aktiven und sexuellen Anteile in die Person zu integrieren, stellt sich allen Menschen, die in unserem Kulturkreis eine soziale und personale Identität entwickeln, und zwar in der Balance von Verhaltenserwartungen von außen und der eigenen Antwort darauf: In der Regel erwarten Eltern von ihren Kindern eben keine homosexuelle Objektwahl. Sexualität beinhaltet immer die Möglichkeit „des Anderen“ zur Vernunft und folgt damit bisweilen Antrieben, die sich dem Zugriff des Verstandes entziehen. Insgesamt kann die Argumentation Nicolosis einseitig biologistisch genannt werden, gerade dann, wenn er „Homosexualität“ und „keine Homosexualität“ in eine Reihe stellt mit „falschem Selbst“/“fühlt sich unmännlich“ und „wahrem Selbst“/fühlt sich männlich“. Er folgt damit dem Modell der Moderne, das Rationalität trennt von Emotionalität, aktiv von passiv, männlich von weiblich – einem Modell, das in die Psychiatrisierung gesellschaftlicher Abweichungen geführt hat.

Jede Psychotherapie, die sich an Lesben und Schwule richtet, muss also im fachlichen Austausch Auskunft geben können über das eigene Erkenntnisinteresse und über die wissenschaftlichen Grundlagen von Diagnostik und Therapie. Hier gilt hinsichtlich Homosexualität, was die Ärztekammer Westfalen-Lippe betont: Es gelten die Vorgaben des ICD-10, und Psychotherapeut/innen, die abweichen von geltenden Standards, müssen von ihren Klient/innen vor der Therapie ausdrücklich die Erlaubnis einholen, auch Behandlungen durchführen zu können, die nicht der Schulmeinung entsprechen.
Die entwicklungspsychologische Forschung hat es bisher versäumt, sich der Identitätsentwicklung von (jungen) Lesben und Schwulen zu widmen – von einzelnen Veröffentlichungen abgesehen. Die pädagogische und psychologische Diskussion steht, ebenso wie die gesellschaftliche Diskussion, unter dem Anspruch, verantwortet Stellung zu beziehen dazu, ob wir in einem Umfeld leben wollen, in dem Homosexualität ebenso wie Heterosexualität als „originäre Verhaltensweise“ (vgl Spaemann, in: http://www.kath.net/detail.php?id=20708 Stand: 04.08.2009) aufgefasst werden kann, als eine soziale und kulturelle Tatsache, die für unsere Gesellschaft insgesamt mehr Vielfalt und mehr Akzeptanz bedeutet. Und: Die politische Ordnung der bundesrepublikanischen Gesellschaft erwartet zu Recht von ihren Bürger/innen, die einem religiösen Bekenntnis folgen, die Spannung zwischen säkularer Gesellschaft und Religion (aus-) zu halten und damit gewaltlos umzugehen: aufmerksam und anerkennend.

Forum der Süddeutschen Zeitung vom 1./2. August 2009 (Stand: 07.08.2009)

Stellungnahme des VLSP zu sog. Konversionstherapien

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