Das Boulevard-Magazin BRISANT, meldete am 28.07.2008, 17.30 Uhr „Udo Walz gibt seinem Freund das Ja-Wort“

Der Mitteldeutsche Rundfunk ist seiner Zeit doch sehr voraus – und in nicht mal drei Minuten Sendezeit lernen Zuschauerin und Zuschauer, dass die Bundesrepublik Deutschland nun endlich Lesben und Schwulen die Rechte einräumt, die sie in der Republik Südafrika schon längst haben: Die „Homo-Ehe“ ist legalisiert!

Manch einer mag da vielleicht zu früh „knutschen, kuscheln, jubilieren“ (so der Titel eines Films des schwulen Regisseurs Peter Kern). Denn die gründliche Recherche ergibt doch schnell, dass Lesben und Schwule mitnichten „heiraten“ können: Kein Traualtar, in Bayern nicht mal das Standesamt, keine Hochzeitsfeier, wo es keine Hochzeit gibt, sondern nur eine „eingetragene Partnerschaft“, keine Eheringe, kein Ehemann, wo es keine Ehe gibt – auch wenn Carsten Thamm, der Freund von Udo Walz nun als ebensolcher vorgestellt wird und statt „Figaros Hochzeit“ nur „Figaros eingetragene Lebenspartnerschaft“.

Leichtfertig verschenkt der MDR damit eine Chance, die Demokratie daran zu messen, welche Rechte sie ihren Minderheiten einräumt – eben nicht: die gleichen. „Was gleich’ und grad’ ist, macht ihr krumm…“, dichtete einst Heinrich Schütz in seiner Kantate „Wie nun ihr Herren…“ Beim MDR ist es umgekehrt, was krumm ist, wird gleich gebürstet, als wären Jahrzehnte der Verfolgung von Lesben und Schwulen und der Kampf um gleiche Bürgerinnenrechte Schnee von gestern. Wer in Workshops mit Schülerinnen und Schülern zum Thema gleichgeschlechtliche Lebensweisen arbeitet, wie das NRW-weite Netzwerk „SchLAu“ (schwul-lesbische Aufklärung), in dem ich für den Bochumer Verein Rosa Strippe e.V. tätig bin, wird nun wieder einige pädagogische Arbeit aufwenden müssen zu erklären, dass Lesben und Schwule eben nicht die gleichen Rechte haben, wie ihre heterosexuellen Freundinnen und Freunde: „Aber im Fernsehen haben sie’s doch gezeigt, dass Schwule jetzt heiraten können…“

Sicher aber hat der MDR eine Erklärung für mich, die ich beim nächsten Workshop den Schülerinnen und Schülern vorlesen kann – ich bin gespannt! Chance vertan, mag man da denken: Kritischer Journalismus? Das ist sicher zu viel erwartet, wenn es um Boulevard geht. Im Familienprogramm des MDR sind Lesben und Schwule offenbar schlecht aufgehoben. Mit diesem wenig brillanten Beitrag hat sich BRISANT selbst bestimmt keinen Medienpreis verliehen.