Der Film führt nach Japan, in die Nagasaki Bay, wo er gedreht wurde, auf der „Nisshin Maru“, einem Walfänger-Schiff.
„Drawing restraint 9“, so der Titel des Films, ist ein 1987 begonnenes Fortsetzungsprojekt des 1967 in San Francisco geborenen Künstlers Matthew Barney. Bekannt wurde er durch Videos und Installationen, insbesondere den Filmzyklus „Cremaster Cycle“, eine wunderbare filmische Choreographie in üppigen Bildern an ungewohnten Orten, voller Verwandlungen und Metamorphosen.
Bei Barneys neuem Film, “Drawing restraint 9″, handelt es sich um eine unkonventionelle Liebesgeschichte mit Barney selbst und Björk in den Hauptrollen. Björk hat hierzu die Filmmusik komponiert.
Es ist die Musik, die viel unmittelbarer und zuerst wirkt, bevor die Bilder des Films hinzukommen. Björls Stimme selbst wird zum Instrument und Klangkörper von verblüffender Wandlungsfähigkeit, kreativ, kraftvoll und ausdrucksstark, durchaus mystisch und spirituell. Für den Soundtrack dieses Films orientiert sie sich an traditionellen japanischen Gesängen.
Der Film beginnt mit einer Prozession vor einer japanischen Ölraffinerie. Von den Werkstoren aus wird ein mit heißer Vaseline beladener Tanklastwagen hinab zum Hafen geleitet. Menschen säumen den Weg des von Ochsen, Pferden, Hirschen und Wildschweinen gezogenen Tankwagens. Die heiße Vaseline wird auf das im Hafen liegende Walfängerschiff verladen und dort in eine gewaltige, offene Gussform gepumpt. Dann bricht das Schiff in die Antarktis auf, wobei sich die Vaselinemasse im Verlauf mehrerer Wochen allmählich abkühlt. Die Methoden und Werkzeuge, die sonst bei der Verarbeitung von Walen Anwendung finden, kommen auch bei der Formgebung der Skulptur zum Einsatz. Die Geschichte der Reise hat ihren Höhepunkt, als die Skulptur aus der Gussform befreit wird, gerade als das Schiff die strahlend hellen Eisberge des Südpolarmeers erreicht. Parallel dazu wird unter Deck des Fabrikschiffes eine Liebesgeschichte zwischen den von Björk und Matthew Barney gespielten Hauptpersonen erzählt. Im Laufe der Reise erleben die Gäste eine mysteriöse Verwandlung, deren Rahmen eine traditionelle japanische Teezeremonie bildet.
Der Film erzählt eine Choreografie auf dem Wasser, er ist voll von Ritualen. Das Wegfahren von alltäglich Bekanntem und das Ziel des Unbekannten und Ungekannten bestimmt den Film. Er strahlt meditative Ruhe aus und zeigt zugleich im Innern des Walfängers auf dem Höhepunkt der Erzählung eine durchaus gewalttätige Verschmelzung, Verspeisung und Verwandlung der beiden Liebenden. So wie auch die Walfangtradition nicht ohne Gewalt zu denken ist: Wer nimmt sich, was er zum Leben braucht?
Im Film geht es um die Selbstinszenierung des Körpers, dessen Schönheit mit der Schönheit der Natur kontrastiert: Der kalten Schönheit des Eises steht die warme Schönheit des pulsierenden Blutes entgegen. Wir tauchen ein und tauchen unter: Die Musik und die Bilder nehmen uns gefangen.
Mehr über den Film:
www.drawingrestraint.net

