Mama, ich bin schwul
In seiner ersten Ausgabe des Jahres 2008 berichtete der Stern über Familien, in denen das Coming-out des Sohnes unerwartete Fragen stellte. Der Artikel berichtet auch über die Arbeit der Rosa Strippe e.V. in Bochum.
Im Artikel wird auch die Situation lesbischer und schwuler Schüler/innen angesprochen – ist doch die Schule nach der Wahrnehmung homosexueller Jugendlicher noch immer der Ort, an dem Homophobie alltäglich ist:
“‘Homosexualität wird an Schulen häufig ausgeblendet, die Norm der Heterosexualität aufrechterhalten. Das macht die Schule für schwule und lesbische Schüler zu einem schwierigen Ort’, sagt der Bochumer Pädagoge Markus Chmielorz. Seit Jahren berät er Familien mit homosexuellen Kindern und leitet an Schulen Workshops zum Thema Homosexualität. Natürlich kennt Chmielorz auch ermutigende Fälle. Natürlich erleben homosexuelle Schüler an Hauptschulen wie an Gymnasien Freundschaft, Akzeptanz und engagierte Lehrer, die mit den Schülern das Thema offen diskutieren. Aber eben nicht immer.”
Dass ein Coming-out dann besonders schwierig ist, wenn es in Familien mit starkem religiösen Hintergrund erfolgt, ist die Erfahrung der Schwulenberatungsstellen in Deutschland – und zwar unabhängig davon, ob es sich um z. B. katholische, orthodoxe oder muslimische Familien mit und ohne Zuwanderungsgeschichte handelt:
“Offenheit ist für die meisten Familien ein guter Rat, aber längst nicht für alle. Pädagoge Markus Chmielorz berät in Bochum Homosexuelle und ihre Angehörigen – und er hat eine neue Klientel: junge Männer aus streng gläubigen Familien, muslimische Einwanderer etwa oder erzkatholische Polen, bei denen eine rigide Sexualmoral das Bekenntnis zur Homosexualität zu einem Wagnis macht. Manche von ihnen wollen einen Bruch mit der Familie nicht riskieren, und auch der Berater drängt dann nicht zum Outing.”
Die psychosoziale Beratung mit lesbischen und schwulen Jugendlichen und jungen Menschen orientiert sich an deren Vorstellungen davon, in welcher Weise sie selbst schwul oder lesbisch leben wollen und welche Hilfen sie brauchen, wenn sie in ihrer Familie oder auch außerhalb Freiräume finden wollen, um selbstbewusst und unbeschadet erwachsen zu werden – so, wie ihre heterosexuellen Freundinnen und Freunde auch.
Zitate:
Stern, Nr. 2, 3.1.2008, S.54ff.